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AWO ruft die Landesregierung zum gemeinsamen Handeln gegen den Fachkraftmangel in Kitas auf.

Mit der Neubesetzung des Landesministeriums für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration durch Josefine Paul, erhofft sich die AWO im Bezirksverband Mittelrhein mehr Offenheit für neue Wege im Umgang mit dem drängenden Problem des Fachkraftmangels in Kindertageseinrichtungen.

Köln, 12.08.2022

In etwa 200 Kindertageseinrichtungen bietet die AWO am Mittelrhein ein vielfältiges Bildungs- und Betreuungsangebot für mehr als 10.000 Kinder. Doch der Blick nach vorne bereitet den Trägern, den Fachberatungen und den Fachkräften bei der AWO große Sorge. Denn der Fachkräftemangel bremst sowohl den dringend notwendigen Ausbau der Kindertagesbetreuung, wie auch die Qualität des Bildungsangebots aus. Während und durch die Pandemie hat sich die personelle Situation in den Kitas weiter verschärft.

Für Sabine Floßdorf, Referatsleiterin für Kindertageseinrichtungen im AWO Bezirksverband Mittelrhein, ist dies ein unhaltbarer Zustand. Sie sagt: „Die Beschäftigten in unseren Kindertageseinrichtungen sind am Anschlag. Dabei ist unser pädagogisches Personal in der Regel hoch motiviert und ist mit seiner Arbeit zufrieden.“ Studien belegen jedoch auch, dass viele Fachkräfte trotzdem über einen beruflichen Wechsel nachdenken. Als Gründe werden gesundheitliche Probleme und durch Personalausfall verursachter Stress angeführt.

Eine exemplarische Untersuchung der AWO am Mittelrhein zeigt, dass pro Kita-Team im Durchschnitt eine Vollzeitstelle fehlt. Dazu wurde in 100 Kitas über einen Zeitraum von 3 Monaten, der tatsächliche Personaleinsatz ermittelt.

Der Personalmangel und die andauernde Überlastung bringen die Beschäftigten in den Kitas an ihre Belastungsgrenze. Der Krankenstand war bereits vor der Pandemie hoch, die Lage hat sich durch die coronabedingte Mehrarbeit noch weiter verschärft.

In einigen Einrichtungen sind die zeitweise Schließung von Gruppen oder die Reduzierung von Öffnungs- und Betreuungszeiten nicht zu vermeiden.

Mit Werbekampagnen, attraktiven, tarifgebundenen Arbeitsbedingungen und einem breit aufgestellten Aus- und Weiterbildungsangebot wirbt die AWO um die wenigen Fachkräfte am Markt. Aktuell sind 79 Stellen für Einrichtungsleitungen, Fach- und Ergänzungskräfte unbesetzt und es ist absehbar, dass sich die Lage weiter verschärfen wird, denn der Ausbau der Kita-Plätze muss weitergehen. Gleichzeitig soll bis 2030 ein Rechtsanspruch auf Plätze im Offenen Ganztag umgesetzt werden, auch hierfür wird qualifiziertes Personal gebraucht. Ebenso erfordert die Teilhabe von Kindern mit einer (drohenden) Behinderung auf Grundlage des Bundesteilhabegesetzes zusätzliche personelle Ressourcen.

Dem wachsenden Bedarf steht der Verlust von Arbeitskräften durch den Renteneintritt der sogenannten Babyboomer entgegen. Der Fachkräfte-Radar für Kita und Grundschule 2021 prognostiziert für Nordrhein-Westfalen bis 2030 eine Fachkraftlücke von mehr als 10.000 Personen. Um diese Lücke zu schließen fordert die AWO am Mittelrhein eine gemeinsame Kraftanstrengung aller Akteure.

Für die AWO gehören dazu die Erhöhung der Ausbildungs- und Weiterbildungskapazitäten und mehr Möglichkeiten des Quereinstiegs, beispielsweise durch berufsbegleitende (Teilzeit)Ausbildungen und die Verbesserung der Ausbildungsqualität und der Arbeitsbedingungen im Beruf. Der Personalschlüssel muss dringend angepasst werden. Zeit- und Personalressourcen für die direkte als auch mittelbare pädagogische Arbeit sowie Fehlzeiten (Urlaubs- und Krankheitstage, Fortbildungen) sollen dabei dringend mit berücksichtigt werden.

Ohne das gesetzlich verankerte Fachkräftegebot in Frage zu stellen, fordert die AWO am Mittelrhein den Einsatz von qualifizierten Ergänzungskräften anteilig in allen Gruppenformen zu ermöglichen und auf die personelle Mindestbesetzung anzurechnen.

„Was wir, die Träger, die Fachberatungen und Fachkräfte der AWO jetzt dringend brauchen“, konstatiert Sabine Floßdorf, „ist eine nach vorn gerichtete, transparente Kommunikation über die Auswirkungen des Fachkräftemangels. Die Eltern haben ein Recht darauf, über die Folgen des Fachkraftmangels informiert zu werden. Der Politik ist es bisher jedoch nicht gelungen, den Eltern die Dimension des fehlenden Personals sichtbar zu machen. Nach wie vor sehen Eltern die Verantwortung für Gruppenschließungen und Einschränkungen des Betreuungsangebots vornehmlich beim Träger. Dies hat negative Auswirkungen auf eine vertrauensvolle Erziehungspartnerschaft.“

Mit dem Ziel einer verlässlichen und guten Bildung der Kinder will die AWO am Mittelrhein alle Möglichkeiten nutzen, Kita-Schließungen und Einschränkungen im Betreuungsangebot zu vermeiden, mit neuen Wegen und innovativen, zukunftsfähigen Konzepten, die in Modellvorhaben erprobt und umgesetzt werden sollen. Dazu bietet sie der neu ins Amt gewählten Ministerin ihre Zusammenarbeit an.

Pressemitteilung der AWO Bezirksverband Mittelrhein:
https://www.awo-mittelrhein.de/de/awo/presse/pressemitteilungen/news/pressemitteilungen-awo/fachkraftmangel-in-kitas/

AWO kritisiert Pläne für Inflationsausgleichsgesetz

11.08.2022. Der Bundesverband der Arbeiterwohlfahrt lehnt die gestern vorgestellten Steuerpläne von Bundesfinanzminister Christian Lindner ab. Dazu erklärt AWO-Präsident Michael Groß:

„Bundesfinanzminister Lindner plant eine Änderung des Grundfreibetrags und eine Verschiebung der Eckwerte in der Einkommensteuer. Durch diese Anpassungen werden zwar alle Steuerzahler*innen entlastet, doch werden dadurch auch bedeutende Mehrausgaben für die öffentliche Hand generiert. Man muss es ganz klar sagen: Geld ist das zentrale Instrument, mit dem Politik gestaltend zum Wohle der Allgemeinheit eingreifen kann. Allerdings fällt die Entlastungswirkung bei Hochverdienenden in absoluten Zahlen höher aus als bei Geringverdienenden. Die vorgesehenen Anpassungen entlasten somit wohlhabende Haushalte auf Kosten dieser Allgemeinheit. Bei einkommensschwachen Haushalten machen sich die Änderungen im Geldbeutel dagegen wenig bemerkbar.“

„Das ist nicht mehr nur sozial nicht ausgewogen, sondern ein Skandal“, so Groß weiter, „Entlastungen müssen bei jenen ankommen, die sie wirklich brauchen und einen hohen Anteil ihres Einkommens für Grundbedürfnisse verausgaben: ganz sicher nicht Personen in der oberen Hälfte der Einkommensverteilung, sondern Geringverdienende und Menschen im Sozialleistungsbezug. Auf Twitter hat der Herr Minister betont, dass ein Steuersystem Ausdruck gesellschaftlicher Gerechtigkeitsvorstellungen sei und von allen als fair empfunden werden sollte. Sehr richtig! Und genau deswegen müssen breite Schultern mehr tragen.“

Laut dem Vorschlag von Lindner solle auch das Kindergeld erhöht werden. Es sei der AWO zufolge zwar generell zu begrüßen, dass insbesondere Familien entlastet werden. Die Erhöhungen sind jedoch viel zu gering und gleichen nicht einmal die Inflation aus. Oberste Priorität müsse stattdessen die Einführung der einkommensabhängigen Kindergrundsicherung haben, da hiermit die Ärmsten zielgerichtet unterstützt würden. Neben Menschen im unteren Einkommensbereich brauchen auch Menschen im Sozialleistungsbezug dringend weitere finanzielle Unterstützung. Dringender geboten als Steuergeschenke an die Wohlhabenden auf Kosten der Allgemeinheit seien daher laut Arbeiterwohlfahrt eine deutliche Erhöhung der Regelsätze sowie eine zeitnahe und realistische Anpassung an das Inflationsgeschehen.

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AWO zu Kindergelderhöhung: Keine Entlastung für die Ärmsten

Berlin, den 19.07.2022. Bundesfamilienministerin Paus hat angesichts der steigenden Lebenshaltungskosten eine Erhöhung des Kindergeldes in Aussicht gestellt. Dazu erklärt Selvi Naidu, Mitglied des AWO Bundesvorstandes:

„Gut, dass von Armut bedrohte Kinder in diesen Krisenzeiten nicht vergessen werden. Dennoch: Die angedachte Erhöhung des Kindergeldes mag eine erfreuliche Geste sein. Sie ist aber keine wirkungsvolle Maßnahme, um alle armutsgefährdeten Kinder zu schützen. Familien im unteren Einkommensbereich würden zwar profitieren – und das ist gut so! – aber Kindergeld wird auf Leistungen der Grundsicherung angerechnet. Die Ärmsten, die am dringendsten Unterstützung brauchen, würden also leer ausgehen.

Warum wird nicht stattdessen schneller die Kindergrundsicherung umgesetzt? Die Sozial- und Wohlfahrtsverbände haben sehr gute Konzepte vorgelegt, sie ist politisch beschlossene Sache und würde tatsächlich alle betroffenen Familien entlasten. Die schnelle Einführung einer einkommensabhängigen Kindergrundsicherung, die allen jungen Menschen ein Aufwachsen in Wohlergehen ermöglicht, muss jetzt oberste Priorität haben. Dabei muss sichergestellt werden, dass die Höhe der neuen Leistung die Bedarfe von Kindern und Jugendlichen wirklich deckt, der monatliche Sofortzuschlag für arme Kinder in Höhe von 20€ kann hierbei nur ein erster Schritt sein, dem schnell weitere Taten folgen müssen.“

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Scharfe Kritik der AWO an Plänen zur Streichung des Bundesprogramms Sprach-Kitas

Berlin, den 21.07.2022. Das Bundesfamilienministerium hat Anfang Juli überraschend mitgeteilt, das Programm „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ nicht fortführen zu wollen. Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung wurde hingegen die Verstetigung des Programms versprochen. Selvi Naidu, Vorstandsmitglied des AWO Bundesverbandes, führt dazu aus:

„Die Förderung von Kindern mit sprachlichem Förderbedarf unterstützt die Bildungsarbeit in den Kitas erheblich und ist ein ganz zentraler Aspekt auf dem Weg zur Chancengleichheit der Kinder. Das überraschende Aus für das Bundesprogramm Sprach-Kitas würde bedeuten, dass qualifizierte und dringend benötigte Fachkräfte in der sprachlichen Bildungsarbeit fehlen würden – und dies zu einem Zeitpunkt, zu dem Förderbedarf und Benachteiligung während der Corona-Pandemie oftmals gewachsen sind. Das ist nicht zu Ende gedacht. Die AWO wird sich dafür einsetzen, dass die Sprachförderung weiterhin vom Bund gefördert wird. Es ist vollkommen unverständlich, dass gerade dieses nachweislich wirkungsvolle Programm gestrichen werden soll. Der AWO Bundesverband fordert die Bundesregierung vielmehr auf, das Programm auszubauen und in den nächsten Jahren zu verstetigen, und es auch nicht allein den Ländern zu überlassen, zusätzliche Mittel in die Sprachförderung von Kindern zu investieren.“

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Ein Jahr nach dem Hochwasser im Westen Deutschlands Die AWO steht den Menschen zur Seite – auch weiterhin

Berlin, 7. Juli 2022. Die Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen hinterließ im Juli 2021 eine Spur der Verwüstung: Mehr als 180 Menschen kamen ums Leben, Tausende verloren ihr Zuhause. Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) war in der Nothilfe aktiv und lässt die Menschen auch ein Jahr später nicht im Stich.

Gemeinsam mit dem AWO Bundesverband und den Bezirksverbänden Rheinland, Mittelrhein, Niederrhein und Westliches Westfalen war AWO International mit schneller Nothilfe zur Stelle und bietet auch langfristige Unterstützung für Betroffene. Die Leistungen umfassen alle drei Phasen der humanitären Hilfe: Nothilfe, mittelfristige Hilfe und langfristige Wiederaufbauhilfen. In den Tagen und Wochen nach der Katastrophe stellten zahlreiche AWO-Einrichtungen Mitarbeiter*innen vom Dienst frei, damit diese sofort vor Ort helfen konnten. Parallel begannen die Vorbereitungen für finanzielle Soforthilfen an Betroffene in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Im Jahr 2021 hat die AWO mehr als 12 Millionen Euro Soforthilfen an über 7.500 Haushalte ausgezahlt.

In der zweiten Phase der Fluthilfe fokussierte die AWO sich darauf, langfristige Beratungsstrukturen zu schaffen und psychosoziale Unterstützungsangebote auszubauen. In acht Fluthilfebüros in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen sowie durch mobile Teams unterstützte die AWO Betroffene dabei, staatliche Haushalts- und Wiederaufbauhilfen zu beantragen. Darüber hinaus wurden Freizeit- und Erholungsangebote für die Betroffenen geschaffen. Während die Maßnahmen aus der zweiten Phase fortgesetzt werden, hilft die AWO inzwischen verstärkt beim Wiederaufbau. Einen Schwerpunkt bilden dabei finanzielle Einzelfallhilfen. Durch Spenden von Aktion Deutschland Hilft unterstützt die AWO vom Hochwasser Betroffene beispielsweise dabei, den notwendigen Eigenanteil bei den staatlichen Wiederaufbauhilfen zu stemmen.

Ein Jahr nach der Katastrophe hat die AWO viel geschafft: Bis Ende Mai erreichte die AWO mit 267 Helfer*innen über 20.000 Menschen in 94 Orten. „Die beeindruckende Solidarität und Spendenbereitschaft in der Bevölkerung hat diese Hilfe ermöglicht“, sagt Rudi Frick, Vorstandsvorsitzender von AWO International. „Wir danken allen Helfer*innen und Spender*innen von ganzem Herzen für diese Unterstützung.“ Gleichzeitig fordert Frick die Politik auf, die Überflutungen als Weckruf ernst zu nehmen: „Unsere praktischen Zeichen der Solidarität mit den Menschen vor Ort bedürfen angesichts der Katastrophe einer zukunftsgerichteten Ergänzung“, so Frick. „Es braucht eine entschiedene Politik, die den Klimawandel mit seinen dramatischen Auswirkungen ernst nimmt und nicht länger dabei stehen bleibt, politische Ziele zu verkünden. Wir müssen endlich tatkräftig den ökologischen Umbau unserer Gesellschaft sozial gerecht vorantreiben. Außerdem müssen wir uns auch in Deutschland auf weitere Katastrophen vorbereiten.“

 

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